i


16. November 2016

08.00 Uhr Frank Walter Steinmeier

"Not my President!", so schreien Hillary-Clinton-Fans nimmermüde in die Straßenschluchten der amerikanischen Großstädte. Ein undemokratisches Gebaren, so wird das - zu Recht - unter anderem von Hubert von Brunn auf AnderweltOnline eingeordnet.

Ein undiplomatisches Gebaren ist es, wenn ausländische Politiker in diese Rufe einstimmen, und ein geradezu unerträgliches Gebaren, wenn sich unter diesen "Schockierten" auch noch der deutsche Außenminister findet, den der Ausgang der Wahl derart aller Umgangsformen entkleidete, dass er sich noch nicht einmal aufraffen konnte, Donald Trump wenigstens formell zum Wahlsieg zu gratulieren.

Nun wurde er von kleiner Runde nach großem Streit hinter fest verschlossenen Türen als "Präsident-elect" ausgerufen, und das Volk steht still und schweiget, ob der schönen Bescherung. Beliebt sei er im Volk, angesehen im Ausland, akzeptiert von den drei Mächtigen: Merkel, Seehofer und Gabriel.

Klug dahin- und daherreden, schlichten und beschwichtigen, das könne er, eindrucksvoll auftreten, Deutschlands ganzes Gewicht einsetzen, Gegenwind bescheiden ertragen, nie jammern und klagen, mit Samtpfötchen boxen, das könne er auch. So kam es dann also zu der Nachfrage beim altgewordenen Nachrichtenmagazin in Hamburg: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die/der/das Beste im ganzen Land?

Und aus Hamburg schallte es zurück, der Kandidat sei perfekt, ein perfekter Notkandidat.

Was natürlich Quatsch ist, denn Frank-Walter Steinmeier ist kein Kandidat mehr. Er ist der Erkorene. Er wird - so wahr ihm Gott helfe - im Februar das Amt übernehmen, sofern uns bis dahin nicht allen der Himmel auf den Kopf fällt, was unwahrscheinlich ist, weil darauf schon Majestix, der Gallier, vergebens wartete und seit mindestens diesen 2000 Jahren nichts dergleichen geschehen ist, was die Politik in ihrem Lauf aufhalten konnte.

Aber, was ist das eigentlich, ein Bundespräsident?

Da hilft das Gleichnis vom Zitronenfalter, der ja auch keine Zitronen faltet, weshalb es niemanden verwundern sollte, dass auch Projektmanager keine Projekte managen, dass Volksvertreter das Volk nicht vertreten und Vogelbauer keine Vögel bauen, leider nicht weiter.

"Präsident" tut man nicht, wie managen, vertreten oder bauen, "Präsident" ist man - und damit hat sich's. Gelegentlich hat ein Bundespräsident allerdings auch etwas zu tun. Auf der Agenda steht, dass er den Bundeskanzler, die Minister, die Beamten und die Offiziere und Unteroffiziere ernennt. Nicht be-nennt, er-nennt.

Auf der Agenda steht weiter, dass er die Bundesgesetze, zu ihrer Rechtskraft, unterschreibt. Nein, nein, er schreibt sie nicht, er unter-schreibt.

Dazu kommt alljährlich gegen Jahresende eine Rede für das Volk, und möglichst, im Laufe der Amtszeit, mindestens eine große Rede zur allgemeinen Orientierung.

Dieses Ernennen-Unterschreiben-und-Reden füllt also die Tage eines Präsidenten aus, wenn er nicht gerade Repräsentationspflichten erfüllt, Staatsgäste empfängt, Hauptstadtflughäfen einweiht oder der Laudatio für den Preisträger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels lauscht, mit Georg Friedrich Händel als Aperitif, oder in Familie macht.

Da stellt sich schon die Frage, warum man sich auf niemand anderes einigen konnte, wo die geforderten Qualifikationen doch keine so große Hürde darstellen, dass sie nicht von vielen anderen passiv Wahlberechtigten auch hätte genommen werden können.

Die Lösung findet sich, wie so oft, in einem Anagramm.

Die amtierende große Koalition braucht einen Bundespräsidenten, der - im besten Sinne - flexibel, anpassungsfähig, wendewillig, also pflegeleicht ist, und - bei allen Widersprüchen der von ihm repräsentierten Politik Deutschlands - so geschickt herumzueiern vermag, dass ihm Mitleid, statt Widerspruch entgegenschlägt und er auf einer Woge des Fremdschämens von Erfolg zu Erfolg getragen wird.

Gut, und wer wäre da besser als ein Steinmeier? Das Anagramm sagt:

Steinmeier = eiern meist

Und als ob das noch nicht genug des Guten wäre, auch Frank Walter wird im Anagramm erst richtig schön:

Frank Walter = Wank-Falter

Der Wank ist ein Berg bei Garmisch-Partenkirchen. Mit 1780 Metern längst nicht so hoch wie Deutschlands Höchster, aber vollkommen unfaltbar, was endlich gedanklich auch wieder zum Zitronenfalter, Projektmanager und Vogelbauer zurückführt.

Nimmt man Frank-Walter und Steinmeier insgesamt als Anagramm, offenbart auch dieses, dass Wank-Falter nicht falten, sondern, da heißt es:

Wank-Falter eiern meist.

Gestern Abend kam dann noch die Meldung vom türkisch-deutschen Außenminister-Treffen in Ankara. Sein türksicher Amtskollege war, wenn man das überhaupt noch so nennen kann, gar nicht nett zu ihm. Man könnte auch sagen, Frank-Walter Steinmeier wurde schon gar nicht mehr ernst genommen. Die alte Spruchweisheit sagt, auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil, und wenn der österreichische Außenminister zu Protokoll gibt: "Die Türkei gehört nicht zu Europa, die Beitrittsverhandlungen müssen sofort abgebrochen werden", dann war das bis vor ein paar Tagen die richtige Antwort. Sich mit einem "... die gegen Deutschland erhobenen Vorwürfe können wir nicht nachvollziehen", aus der Affäre ziehen zu wollen, während Erdogan bereits dabei ist, eine Volksabstimmung auf die Beine zu stellen, mit Hilfe derer die Verbindungen zur EU ganz gekappt werden sollen, wirkt dagegen schon einigermaßen hilflos, um nicht zu sagen, es ist ein unrühmliches Herumeiern. Das allerdings ist ihm von den drei Mächtigen wohl so aufgetragen, die mit vollen Hosen nur noch wimmern: "Bloß die Türken nicht verprellen... Sonst kriegen wir es mit der AfD zu tun."

Welche Figur Martin Schulz gestern in Ankara gemacht hätte, der dem Vernehmen nach Frank-Walter Steinmeier im Außenministerium beerben soll und von den Türken noch nie ernst genommen wurde, wage ich mir gar nicht vorzustellen.

Zugegeben, das war nicht nett gegenüber dem künftigen Bundespräsidenten.

Es war auch keine substantielle Kritik, noch nicht einmal eine konstruktive, aber halten Sie mir bitte zugute, dass ich noch nicht einmal in der Versuchung schwebte, ihn einen Hassprediger zu nennen. Auch verspreche ich feierlich, dass ich ihm zur Wahl gratulieren werde, wenn der erbärmliche Akt, in welchem die Bundesversammlung dem Willen der großkoalitionären Dreieinigkeit Folge leisten wird, über die öffentlich-rechtliche Bühne gegangen sein wird.

Im Übrigen kann eine Suche im English-German Dictionary nach "wank" und "falter" durchaus noch ein Sahnehäubchen auf diesen Artikel setzen.

 

 

Bücherstube


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

- Hier -

,


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -