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10. Februar 2015
 
07.00 Uhr Der Urzins feiert fröhlich Urständ
 
Frisch aus der Kehrrichttonne der VWL bringt ihn der Chefvolkswirt der Deutschen Gold und Silber Scheideanstalt (DEGUSSA), Prof. Dr. Torsten Polleit, wieder auf den Tisch.
 
Nicht, dass ich Prof. Polleit persönlich angreifen will, nein, das liegt mir fern, er hat sicherlich seine Verdienste und auch schon viel Kluges geschrieben. Was meinen Widerspruch herausfordert, ist die Geschichte, die er in diesen Tagen erzählt, um Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB zu üben. Diese Politik verdient Kritik, ganz bestimmt. Aber muss man dazu unbedingt das Fabelwesen "Urzins" aus der Versenkung holen?
 
Ich weiß nicht, wer angefangen hat, das Märchen vom Urzins zu erzählen, das muss lange vor den Gebrüdern Grimm gewesen sein, doch statt im Erwachsenenalter über den Urzins ebenso zu schmunzeln, wie über den Klapperstorch, wird das Märchen von Generation zu Generation unter den Volkswirten weitergegeben, als einer der Stützpfeiler ihres geisteswissenschaftlichen Theoriegebäudes.
 
Natürlich immer wieder nur mit den alten Begründungen, die bar jeden Beweises als bloße Behauptungen daherkommen.
 
Zum Beispiel so:
 
Der Urzins ist immer und überall positiv.
(schreibt Prof. Dr. Polleit)
und erinnert mich damit an
"Das Böse ist immer und überall", Erste Allgemeine Verunsicherung, "Banküberfall")
 
Das kann man von einem "ETWAS", das nicht existiert, leicht behaupten. Man könnte ebenso sagen: "Die eierlegende Wollmilchsau ist immer und überall bläulich". Beweisen Sie mir mal das Gegenteil! So eine Behauptung kann naive Gemüter beeindrucken, vor allem, wenn ihr dann auch noch ein groteskes Beispiel für eine Welt mit einem (Ur-) Zins folgt, der Null, oder gar negativ ist.

Prof. Dr. Polleit schreibt:
 
Es würde bedeuten, dass man zwei Äpfel,
die erst in tausend Jahren verfügbar sind,
einem heute verfügbaren Apfel vorzieht.
 
Was soll der Quatsch? Selbst wenn man das Beispiel realistischer gestaltet, und ich helfe da gerne nach, wird es nicht konsistenter:
 
Es würde bedeuten, dass man zwei Neuwagen,
die erst in zehn Jahren verfügbar sind,
einem heute verfügbaren Neuwagen vorzieht.
 
Niemand, der heute einen Apfel essen will, wird tausend Jahre warten, um dann zwei Äpfel essen zu können, und niemand, der heute ein neues Auto braucht, wird 10 Jahre warten, um dann zwei neue Autos zu besitzen.
 
Die Kaufentscheidung für Äpfel und Autos fällt zunächst einmal vollkommen unabhängig von irgendeinem Zins. Und bei Menschen, die sich das Geld für einen Apfel oder ein Auto leihen müssen, fällt sie umso leichter und früher, je niedriger die Finanzierungskosten sind. Eine Null-Zins-Finanzierung ist nun eben mal sehr viel erfreulicher als ein Kredit mit einem positiven, effektiven Jahreszins, und je höher der ist, desto weiter wird der Kauf hinausgeschoben, oder es wird eine Nummer kleiner gekauft als ohne Finanzierungskosten gekauft worden wäre.
 
Doch zum erwähnten Beispiel gehört auch der theoretische Ansatz, und den hat Prof. Polleit bei Frank A. Fetter (1863-1949) und Ludwig von Mises (1881-1973) gefunden. Das Schlagwort dafür heißt "Zeitpräferenz" und die besagt wiederum nichts anderes als das, was im Beispiel anklingt:
 
Menschen werten Güter, die gegenwärtig verfügbar sind,
höher als Güter, die erst künftig verfügbar sind.
 
Mises lässt Polleit mit der Aussage zu Wort kommen: ...dass der (Ur-)Zins elementar für das menschliche Handeln ist und sich allein und ausschließlich durch die Zeitpräferenz erklärt.
 
Die weitere Argumentation, bei der nicht mehr klar erkennbar ist, ob sie auf Polleits eigenem Mist gewachsen oder von anderen übernommen ist, wird immer irrwitziger. Ich fasse es in meinen Worten leicht verkürzt zusammen, zum Nachlesen des Originals gibt es am Schluss dieses Kommentars einen Link.
 
Der Gedanke, der Urzins könne Null oder negativ sein, ist absurd und unlogisch, er ist so widersinnig wie die Aussage "1 plus 1 ist nicht zwei".
 
Dass der Urzins stets positiv ist, folgt aus dem unwiderlegbaren Axiom: "Der Mensch handelt". Daraus, so Polleit, lässt sich logisch ableiten, dass der handelnde Mensch eine frühere Zielerreichung einer späteren vorzieht.
 
Der absolute Höhepunkt lautet aber - und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
 
Bei gegebener Investitionsneigung sinkt der Urzins und damit auch der Marktzins,
die Wirtschaft begibt sich auf Wachstumskurs…
 
Dies war übrigens auch der Grund, warum Marxismus und Nationalsozialismus danach trachten, den Zins abzuschaffen: Gelänge das Vorhaben, den Zins abzuschaffen, wäre eine freie, marktwirtschaftliche Ordnung nicht mehr durchführbar. Es käme zu einer Verarmung und De-Zivilisierung der Volkswirtschaft.
 
?????
 
Da kann man nur noch stundenlang die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
 
Die "freie marktwirtschaftliche Ordnung" der wir ausgeliefert sind, führt gerade in unseren Tagen zur Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung und zum Zusammenbruch der Zivilisation. Ein Blick nach Griechenland, Spanien, Italien usw., sollte genügen, um zu erkennen, dass der Zins und die darauf aufbauenden Rendite-Erwartungen von Spekulanten aller Dienstränge nicht nur die Realwirtschaft vernichten, sondern selbst die komplette Finanzsphäre ins Wanken bringen.
 
 
Der Zins ist nichts als das Lösegeld,
das die Kidnapper der Zahlungsmittel fordern,
um sich an der Bereitstellung der allernotwendigsten Liquidität
schamlos zu bereichern.
 
 
Alles Geseiere von der Allocationskraft des Zinses, die einzig und allein dazu führt, dass unter den Investitionsmöglichkeiten die beste ausgewählt wird, weil alle anderen weniger Ertrag bringen, hat doch längst nichts mehr mit der Frage zu tun, ob nun Obstplantagen oder Automobilfabriken errichtet werden. Sie entscheidet, gerade in unseren Tagen doch letztlich nur noch darüber, in welchem Maße und zu welchem Kurs Finanztitel erworben werden.
 
Und wo noch in die Realwirtschaft investiert wird, ist es selbstverständlich, dass die Kapitalkosten in den Preisen weitergegeben werden, die kritische Größe ist hierbei die freie Kaufkraft der Konsumenten, die wird jedoch - auch wegen der Kapitalkosten, die oft genug nur "kalkulatorisch" in Ansatz gebracht werden - durch Kapitaleinsatz (Automatisierung, Rationalisierung) und Qualitätsminderung, sowie eine auf Exportschancen schielende Arbeitsmarktpolitik immer weiter beschnitten. Wer investiert denn noch in einen Markt, dessen Kaufkraft schrumpft?
 
Die Zinsbelastung des Endkunden ist, auch dann wenn er selbst schuldenfrei ist, mit rund 40 bis 50 Prozent seiner Gesamtausgaben anzusetzen, weil sich die volkswirtschaftliche Gesamtzinslast in Preisen, Steuern und Abgaben kumuliert - und am Ende nur von den Endverbrauchern aufzubringen ist.
 
Man kann aus den vorhanden Euro-Geldscheinen beliebige Paarungen bilden und sie miteinander in den gleichen Käfig einsperren - so wie es Zoodirektoren zur Nachzucht mit Eisbären, Sibirischen Tigern und Koala Bären tun. Niemals wird ein Geldschein einen neuen gebären. Niemals.
 
Damit ein Gläubiger über die Kreditsumme hinaus einen Zins erhalten kann, muss ein zusätzlicher Kredit gewährt werden. Geschieht dies nicht, vermindert sich die umlaufende Liquidität, es sei denn, der Gläubiger gibt seine Zinserträge schon aus, bevor er sie eingenommen hat. Das kommt allerdings ausgesprochen selten vor.
 
Wäre es die Regel, was immer wieder behauptet wird, dann fiele das Wachstum der Geldvermögen sehr viel geringer aus.
 
Die ganze Welt versinkt in Schulden. Das hat in diesen Tagen sogar McKinsey herausgefunden. Da ist man versucht, laut und garstig zu lachen, aber genau betrachtet ist dies so ziemlich der erste Lichtblick eines Erkenntnisgewinns seit dem großen Aufwasch am Ende des Zweiten Weltkriegs. Es fehlt nur noch, dass McKinsey auch noch dahinterkommt, dass jeder Schuld ein Gläubiger, ein Geldforderungsvermögen gegenübersteht. Dann wirds Tag.
 
Es gibt die gängige Praxis, Geld gegen Zins zu verleihen.
 
Diese Praxis ist schädlich, weil - und soweit - sie per Zins und Zinseszins zur Hortung von Zahlungsmitteln führt, was wiederum - zum Ersatz der abgezogenen Liquidität - zusätzliche (Netto-Neu-) Verschuldung erzwingt.
 
Einen Urzins, mit dem dies begründet werden könnte, gibt es, trotz aller erst in tausend Jahren verfügbaren Äpfel nicht.
 
Was, wenn alles ganz anders gemeint ist?
 
Natürlich haben von Mises und Polleit den Zins aus der anderen Richtung betrachtet, von der Seite derjenigen, die ihn fordern. Dann wird die Argumentation erst richtig rund, da entpuppte sich die "Zeitpräferenz" als eine Umschreibung von "Konsumverzicht" und die Logik lautet:
 
Weil ich darauf verzichte, heute zwei Äpfel zu essen, sondern damit warte, bis du mir in tausend Jahren das Darlehen zurückgezahlt hast, leihe ich dir heute nur das Geld für einen Apfel, erwarte aber in tausend Jahren insgesamt den Gegenwert von 2 Äpfeln zurück. Der zweite Apfel ist der Lohn dafür, dass ich tausend Jahre lang auf den mir möglichen Konsum verzichtet habe, damit du konsumieren kannst.
 
Dann greift er zum Telefon und ordnet an, dass die Hälfte seiner diejährigen Apfelernte zum Zweck der Preispflege ins Meer gekippt werden soll.
 
Bevor sich die "Märkte" mit Staatsanleihen versorgen, haben sie jeden Apfel verzehrt, auf den sie Lust hatten. "Konsumverzicht", das ist auch nur ein Märchen, und wenn eine Bank ihre Zinsforderung mit Konsumverzicht begründet, dann wird Baron Münchhausen blass vor Neid.
 

 
 
 
 
 
 
 

 

 
 
Wie weit ist die EU noch von der klassischen Diktatur entfernt?
Welche Freiheiten lässt sie den Mitgliedsstaaten und ihren Bürgern noch?
Wer hat die Kommissare und die für nichts haftbaren Direktoren des ESM gewählt?
 
Was darf das EU-Parlament - und was darf es alles nicht?
 
 
 
 
 
 
 
 
Florian Stumfall klärt auf.
 
Er vergleicht die Institution "EU" mit dem, was nach klassischen Verständnis einen Staat und eine Demokratie ausmacht und schildert schonungslos die gewaltigen Defizite, die da bei der EU aufscheinen, während die Mitgliedsstaaten sich bereits weithgehend selbst entmündigt und damit die Demokratie zur Farce gemacht haben.
 
 
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aktuell:

ewk- Zur LageAusgabe 7 - Januar 2015
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Aus dem Stand und nur per Wildcard sind die deutschen Handballer bei der WM bis ins Viertelfinale gekommen.
 
Leider wurden diese Spiele wieder nur im Bezahlfernsehen gezeigt, so dass die Begeisterung der relativ kleinen Handballgemeinde nicht wirklich auf uns alle übergesprungen ist.
 
Wollen alle Mädchen wirklich entweder Ballettschuhe oder Reithosen?
 
Nein, es gibt auch welche, die unbedingt Handball spielen wollen.
 
Michaela Salewski Renner hat die Geschichte eines solchen Mädchens aufgeschrieben - und auch die Handball-Jungs kommen darin keineswege zu kurz.
 
Alle miteinander sind sie
die Handball-Helden
 

Könnten Sie Ihren Kindern oder Enkeln
die Grundzüge des Handballspiels erklären?
 
Warum fallen da so viele Tore?
Wie viele Schritte darf ein Handballer mit dem Ball in der Hand machen?
Was ist ein Wurfkreis?
Wie kommt es zu "Unterzahl"?
 
Das Spiel ist viel schneller, die Regeln sind anders als beim Fußball, doch wenn man es schafft, sich von seinen Fußball-Sehgewohnheiten zu trennen, wird ein Handballspiel zu einem echten Nervenkitzel. Einen Endstand von 0 : 0 gibt es da nicht. Handball, das ist "Action"!
 
Schön wäre es, wenn es gelänge, die Begeisterung für diese Sportart nicht nur den wenigen eingefleischten Handballern zu überlassen, sondern möglichst viel davon gerade auch den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, damit der Handball auch mal aus seiner norddeutschen Domäne herauskommt und sich überall der Nachwuchs entwickelt, den diese spannend schnelle Sportart verdient hätte.
 
Das Buch "Die Handball-Helden - Handball ist der Hit" von Michaela Salewski-Renner, selbst eine begeisterte "Handball-Mutter", kann dazu beitragen. Es ist das erste erzählende Kinderbuch zum Thema Handball, und es ist ein Mädchen, das (erst gegen den Willen ihrer Eltern) zur echten Handball-Heldin wird.
 
Ganz nebenbei lernen die Kids dabei auch die wichtigsten Regeln kennen - und der Deutsche Handball-Bund hat zu diesem Buch ein Vorwort beigesteuert.
 
Und wo ist es erschienen? Bei den Schweizern?
Nein, natürlich hier:
 
 
 
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Spiele die Daumen drücken - bis zur nächsten WM.
Mindestens!
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Egon W. Kreutzer
 
Unsere Freiheit
 
... man kann sich dafür
einsetzen
 
 
 
 
 
 
 
 

Karl Waldecker

Glocalis

Die Welt fair ändern

 

 

 

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Allmählich spricht es sich herum:


Sogar im SWR fand das Buch über
den Stuttgarter Grubenbahnhof
inzwischen lobende Erwähnung.

Der Autor hat einige Stimmen zu seinem jüngst im EWK-Verlag erschienenen Buch auf seiner Homepage veröffentlicht.

Schauen Sie doch mal selbst bei
Manfred J. Schmitz vorbei.

Bestellen können Sie
"Dr. Feist im Fegefeuer" direkt online.

Und natürlich gilt das auch für Schmitz's
ersten Roman "Wer weiß schon, wie tief der Fluss unter der Brücke ist ..."


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 



 

 

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