Reset - home - neu laden
D

 Start

 Paukenschläge

 Tageskommentare
 Bücher  Kontakt  Impressum

aktuell: Vergatterung BDSG
 Geld Gesundheit  Gastbeiträge

 

2. Februar 2015
 
08.30 Uhr Warnstreiks - Roboter - Juncker+Troika
 
Die IG-Metall - die gibt es offensichtlich tatsächlich noch - hat die diesjährige Tarifrunde eröffnet, 5,5% mehr Lohn gefordert, und schon mal den Warnstreik geübt. Die Arbeitgeber bieten vorsichtshalber erst mal etwas weniger als die Hälfte an, und einigen wird man sich vermutlich bei einem Wert knapp unter drei Prozent für rund 18 Monate.
Das Ritual, das nun begonnen hat, ist jedoch für beide Seiten unverzichtbar. Die Gewerkschaft muss zeigen, dass sie sich für ihre Mitglieder einsetzt, die Arbeitgeber müssen zeigen, wie sehr sie unter unangemessenen Lohnerhöhungen leiden, und vor allem die Metall-Arbeitgeber, deren Abschlüsse ja immer richtungsweisend für fast alle anderen Branchen sind, müssen besonders heftig kämpfen.
 
Da wundert es nicht, dass VW, trotz des gesonderten VW-Tarifvertrags, den Kollegen mit einer Meldung unter die Arme greift, die geeignet sein könnte, Lohnforderungen und Streiklust gleichermaßen zu dämpfen. In der nächsten Zeit sollen rund 10.000 Mitarbeiter, die in Rente gehen, durch Roboter ersetzt werden. Die würden, so heißt es, mit "Personalkosten" von fünf bis sechs Euro zufrieden sein und auch sonst keinen Ärger machen.
 
Das ist sozusagen eine Rakete mit Mehrfachsprengkopf:
  • Die laufenden Tarifverhandlungen werden durch diese - weit über Wolfsburg hinaus - für die Beschäftigten beängstigende Meldung im Sinne der Unternehmen positiv beeinflusst.
  • Andrea Nahles wird damit zudem aufgefordert, ihr Nachdenken über den Mindestlohn noch einmal zu beschleunigen, letztlich mit dem Ziel, Ausnahme auch da zuzulassen, wo die Arbeit auch durch einen Roboter ersetzt werden könnte.
  • Alle übrigen Arbeitgeber im Lande sind damit aufgefordert, schnellstmöglich den Kostenvorteil "Robotik" auch bei sich einzusetzen, wenn sie nicht als letzte mit teurem menschlichen Personal in die Insolvenz getrieben werden sollen.
  • Merkel und Schäuble dürfen darauf vertrauen, dass die deutsche Wettbewerbsfähigkeit auch mit einer härteren Währung als dem Euro erhalten bleiben wird, weil noch längst nicht alle Rationalisierungspotentiale ausgeschöpft sind.
Nun bin ich sicherlich der Letzte, der nun zu einem Weberaufstand aufrufen würde. Ich verstehe sogar jene Gewerkschafter, die in der vermehrten Automatisierung einen Segen für die verbleibenden Kollegen sehen, weil diese von körperlich schweren und monotonen Arbeiten unter ungesunden Bedingungen befreit werden.
 
Was ich nicht verstehe, sind die Ungereimtheiten in dieser Ankündigung.
 
Es ist doch so, dass gerade in der Automobilindustrie die Automatisierung schon am weitesten fortgeschritten ist. In Werbefilmen sieht man endlose Reihen von Schweißrobotern, die funkensprühend Karosserien zusammentackern, an jedem Band unterstützen Automaten und Roboter die verbliebenen "Handarbeiter". Die schweren, monotonen und ungesunden Arbeitsplätze sind - nach den Worten der Industrie - seit vielen Jahren Zug um Zug abgebaut worden. Bei mir in Elsendorf, praktisch vor meiner Haustür, wird gerade eine Autotürenfabrik eingerichtet, die in Kürze Audi und BMW beliefern wird. Roboter, soweit das Auge reicht.
 
Im VW-Werk Salzgitter sind seit rund drei Jahren sogar Roboter im Einsatz, die direkt neben den Menschen am Band stehen und z.B. Glühstiftkerzen in den Zylinderkopf stecken. Die so großartig angekündigte Robotik-Initiative scheint also in Wahrheit gar keine neue Initiative zu sein. Die Industrie ist auf diesem Weg schon sehr weit fortgeschritten und geht ihn Schritt für Schritt weiter. Dies als Begründung dafür abzuliefern, dass die natürliche Fluktuation der Mitarbeiter von nun an nicht mehr durch Neueinstellungen ersetzt werden soll, halte ich für weit hergeholt, wenn nicht gar für eine frei erfundene Argumentation.
 
Ebenso melde ich Zweifel an den "Stundenlöhnen" der Roboter an. Die gelten nämlich nur unter der Bedingung, dass die geplante und kalkulierte Auslastung einer Fertigungsstraße auch erreicht wird. Rechnen Sie einfach mal kurz mit:
 
Unterstellt man, dass so ein Roboter an 250 Werktagen im Jahr im Zwei-Schicht-Betrieb bis zum Verschleiß, also drei Jahre lang seine Arbeit verrichten soll (Wartung und Updates an den Wochenenden), dann kommt er auf rund gerechnet 12.000 Betriebsstunden und - bei einem kalkulierten Stundensatz von 5 Euro auf Gesamtkosten von 60.000 Euro. Zieht man davon die Kosten für die Beschaffung (Planung, Entscheidung, Einkauf - geschätzt 10 Std. á 100 Euro) die Aufstellung, Programmierung, Probelauf (geschätzt ca. 5 Mal in drei Jahren je 10 Std. á 80 Euro), regelmäßige Wartung und Instandhaltung (ca. 36 Mal in drei Jahren je 2 Std. á 60 Euro), den Energieverbrauch mit durchschnittlich 0,5 Kilowatt (6.000 KW/h á 10 Cent) ab, dann verbleiben für die reine Investition gerade noch 50.000 Euro übrig.
 
Es ist schwer, im Internet Preise für Roboter zu finden. Doch selbst ein vergleichsweise einfacher Melkroboter, der es schafft, täglich bis zu drei Mal 60 Kühe zu melken, kostet deutlich über 100.000 Euro. Ich schätze den durchschnittlichen Einkaufspreis für eine modernen, flexibel einsetzbaren Industrieroboter auf rund 150.000 bis 200.000 Euro. Das aber würde bedeuten, dass der Kollege Robot nicht drei Jahre, sondern 9 bis 12 Jahre im Einsatz bleiben muss, um mit 5 Euro pro Arbeitsstunde korrekt kalkuliert zu sein.
 
Selbst wenn er bis dahin nicht vollends auseinandergefallen sein sollte, wird er diese Standzeiten nicht erreichen, schon alleine, weil der technische Fortschritt dazu zwingt, die Maschine sehr viel früher zum alten Eisen zu werfen.
 
Doch noch kurz zurück zur Kapazitätsauslastung: Jede Schicht, die aus Gründen fehlender Aufträge ausfällt, jede Kurzarbeitsphase "zur Rettung der Arbeitsplätze) verhindert die Nutzung des im Roboter investierten Kapitals - die Gesamtkosten müssen auf weniger produktive Stunden verteilt werden - und damit steigt der Stundensatz.
 
Wenn also die optimistische Prognose der Betriebswirtschaftler in den Planungsstäben in Wolfsburg auf Standzeiten von 10 Jahren bei durchgängig 2-Schicht-Auslastung basiert, halte ich dem realistische 5 Jahre Nutzungsdauer bei durchgängig 1,5 Schicht-Auslastung entgegen. Dann ergeben sich Kosten von ca. 12 bis 13 Euro pro Stunde.
 
Das ist immer noch deutlich günstiger als die durchschnittlich 40 Euro Personalkosten pro Arbeitsstunde, die in Wolfsburg aufgewendet werden müssen, aber es ist halt eine Zahl, die immer noch deutlich über dem Mindestlohn liegt und daher als Kampfansage an Nahles nur bedingt geeignet erscheint.
 
 
Eine andere Trickserei scheint mir am Wochenende von Jean Claude Juncker ausgegangen zu sein. Er scheint intensiv darüber nachzudenken, die "Troika" abzuschaffen.
Da aber gleichzeitig aus Brüssel (und auch von Juncker selbst) nur zu hören ist, dass die bestehenden Vereinbarungen, die ja nicht nur den Schuldendienst umfassen, sondern eben auch die Sparvorgaben gegenüber Griechenland einschließen, kann es sich bei der "Abschaffung der Troika" nur um ein Spiel mit Etiketten handeln.
 
Ein Spiel, das darauf abzielt, Herrn Tsipras eine goldene Brücke zu bauen, die er nur zu betreten braucht, um den Griechen, die ihn mehrheitlich gewählt haben, zu erzählen, ein erster Sieg sei errungen, die Herrschaft der Troika über Griechenland sei beendet.
Selbstverständlich wird die Troika dann auch tatsächlich aufgelöst, doch es werden andere Organe der EU die Aufgaben übernehmen - und es wird faktisch überhaupt keine Änderung geben, eher eine weitere Verschlechterung, weil es keine "einheitlich abgestimmte" Position der Gläubiger mehr gibt, sondern Kommission, EZB und IWF jeweils gesondert ihre Maximal-Forderungen an Griechenland richten.
 
Damit zielt Juncker m.E. aber nicht nur auf Griechenland, sondern im Augenblick ganz speziell auch auf Spanien, wo die herannahenden Wahlen in den Augen der Demoskopen ein zweites Griechenland hervorbringen werden. Erzählt man den Spanieren nun, dass sie keine Angst mehr vor der Troika haben brauchen, weil die - aus Einsicht in die Probleme, die sie verursachte - schon abgeschafft ist, könnte das so manchen Wähler davon abbringen, sich radikal links oder rechts zu positionieren - und darauf kommt es in dieser EU schließlich an.
 
 

 

 
 
Wie weit ist die EU noch von der klassischen Diktatur entfernt?
Welche Freiheiten lässt sie den Mitgliedsstaaten und ihren Bürgern noch?
Wer hat die Kommissare und die für nichts haftbaren Direktoren des ESM gewählt?
 
Was darf das EU-Parlament - und was darf es alles nicht?
 
 
 
 
 
 
 
 
Florian Stumfall klärt auf.
 
Er vergleicht die Institution "EU" mit dem, was nach klassischen Verständnis einen Staat und eine Demokratie ausmacht und schildert schonungslos die gewaltigen Defizite, die da bei der EU aufscheinen, während die Mitgliedsstaaten sich bereits weithgehend selbst entmündigt und damit die Demokratie zur Farce gemacht haben.
 
 
gleich bestellen
 
 
 
 
 

 
 
 
Sie kennen EWK-Zur Lage noch nicht?
Das sind - alle 2 Monate - rund 20 Seiten mit einem Überblick über die aktuell absehbaren Entwicklungen in der Welt, in Europa und in Deutschland.

Die Einzelausgaben gibt es zum Download als pdf zum Preis von 11,90 Euro,
wovon 1,90 Euro als Mehrwertsteuer zum ausgeglichenen Haushalt beitragen.

Ein Abonnement für ein Jahr - das von mir so genannte "Förder-Abo" - sichert
Ihnen die Zusendung jeder Ausgabe sofort bei Erscheinen, außerdem gibt es
für Förder-Abonnenten ein Begrüßungsbuch und versandkostenfreie Lieferung
auf Rechnung bei Bestellungen beim EWK-Verlag.
 
aktuell:

ewk- Zur LageAusgabe 7 - Januar 2015
 Förder-Abonnement
incl. ewk - Zur Lage


 
 




 






 
 

 
Erfreulicheres:

Ein Unentschieden und zwei Siege - das Achtelfinale ist zum Greifen nah!
Könnten Sie Ihren Kindern oder Enkeln die Grundzüge des Handballspiels erklären?
 
Warum fallen da so viele Tore?
Wie viele Schritte darf ein Handballer mit dem Ball in der Hand machen?
Was ist ein Wurfkreis?
Wie kommt es zu "Unterzahl"?
 
 
Das Spiel ist viel schneller, die Regeln sind anders als beim Fußball, doch wenn man es schafft, sich von seinen Fußball-Sehgewohnheiten zu trennen, wird ein Handballspiel zu einem echten Nervenkitzel. Einen Endstand von 0 : 0 gibt es da nicht. Handball, das ist "Action"!
 
Schön wäre es, wenn es gelänge, die Begeisterung für diese Sportart nicht nur den wenigen eingefleischten Handballern zu überlassen, sondern möglichst viel davon gerade auch den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, damit der Handball auch mal aus seiner norddeutschen Domäne herauskommt und sich überall der Nachwuchs entwickelt, den diese spannend schnelle Sportart verdient hätte.
 
 
Das Buch "Die Handball-Helden - Handball ist der Hit" von Michaela Salewski-Renner, selbst eine begeisterte "Handball-Mutter", kann dazu beitragen. Es ist das erste erzählende Kinderbuch zum Thema Handball, und es ist ein Mädchen, das (erst gegen den Willen ihrer Eltern) zur echten Handball-Heldin wird.
 
Ganz nebenbei lernen die Kids dabei auch die wichtigsten Regeln kennen - und der Deutsche Handball-Bund hat zu diesem Buch ein Vorwort beigesteuert.
 
Und wo ist es erschienen? Bei den Schweizern?
Nein, natürlich hier:
 
 
 
Gleich bestellen - und dann gemeinsam
bei der Handball-WM mitfiebern!
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Egon W. Kreutzer
 
Unsere Freiheit
 
... man kann sich dafür
einsetzen
 
 
 
 
 
 
 
 

Karl Waldecker

Glocalis

Die Welt fair ändern

 

 

 

zum Online-Shop



Allmählich spricht es sich herum:


Sogar im SWR fand das Buch über
den Stuttgarter Grubenbahnhof
inzwischen lobende Erwähnung.

Der Autor hat einige Stimmen zu seinem jüngst im EWK-Verlag erschienenen Buch auf seiner Homepage veröffentlicht.

Schauen Sie doch mal selbst bei
Manfred J. Schmitz vorbei.

Bestellen können Sie
"Dr. Feist im Fegefeuer" direkt online.

Und natürlich gilt das auch für Schmitz's
ersten Roman "Wer weiß schon, wie tief der Fluss unter der Brücke ist ..."


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 



 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -