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10. September 2014
 
12.00 Uhr Haltbare Zustände
 
Gustav Flaubert hat der Nachwelt neben seinen Romanen auch ein kleines Bändchen mit dem Titel "Dictionnaire des idées reçues" hinterlassen. In der deutschen Ausgabe heißt es "Wörterbuch der Gemeinplätze" - und ich persönlich bedaure, dass dieses Werk über die grenzenlose Dummheit und ihre sinnleeren Phrasen seither nicht konsequent fortgeschrieben und ergänzt worden ist.
 
Dann fände sich darin heute nämlich auch das Stichwort "Zustände" und dazu die knappe Erläuterung Flauberts: "stets unhaltbar".
 
Wer von "unhaltbaren Zuständen" spricht, drückt damit seine Entrüstung aus und weist zugleich jegliche Schuld ebensoweit von sich, wie jeden Gedanken daran, eventuell selbst etwas zu unternehmen, um die Zustände "haltbar" zu machen.
 
"Unhaltbare Zustände!" das ist stets ein Vorwurf an die Adresse vermeintlich Verantwortlicher, gleichgültig, ob diese nun bekannt oder unbekannt, tatsächlich verantwortlich oder gar nicht zuständig sind.
 
Zumeist ist die Phrase von den "unhaltbaren Zuständen" auch noch moralischen Ursprungs und zieht den Adressaten ungewollt in den gleichen Wertekanon hinein, macht ihn, solange er nicht wiederspricht, zum zählbaren Mitglied der Empörten, und so er widerspricht, zu deren Feind.
 
Wir hören und lesen zur Zeit viel von unhaltbaren Zuständen in den deutschen Einrichtungen zur Erstaufnahme von Flüchtlingen. Da gibt es mehrfach überbelegte Häuser, fehlende Sanitäreinrichtungen, provisorische Verpflegungsbeschaffung, mangelhafte medizinische Versorgung.
 
Und obwohl diese Zustände sowohl von den flüchtlingsfreundlichen, wie auch von den flüchtlingsfeindlichen Mitmenschen als "unhaltbar" angesehen und angeprangert werden, scheinen sich gerade solche "unhaltbaren Zustände" als besonders haltbar zu erweisen.
 
Bleiben wir kurz beim Begriff "haltbar". Etwas "haltbar" zu machen, was eigentlich nicht, bzw. unhaltbar ist, ist ein Vorgang, den wir ansonsten als "Konservieren" bezeichnen.
Konservieren wiederum ist ein Vorgang, bei dem das Gedeihen von Mikroben wahlweise oder in Kombination durch Erhitzen oder starkes Unterkühlen oder durch Giftstoffe oder durch Flüssigkeitsentzug außerordentlich erschwert wird, in der Absicht, dadurch ihre Vermehrung zu verhindern oder doch zumindest so stark zu verlangsamen, dass das konsvervierte Gut bis zum Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums ohne Schaden für den Konsumenten genossen werden kann, voraussgesetzt, es wird nach dem eigentlichen Konservierungsvorgang in luftdicht geschlossenen Behältnissen, bei zuträglichen Temperaturen und möglichst auch lichtgeschützt aufbewahrt.
 
Mit etwas Fantasie lässt sich dieses Bild nun wieder rückübertragen auf die Flüchtlingsmisere. Gerade "Konservative", also jene, die sich einig sind, bestehende Zustände zu erhalten, unter denen sich nicht wenige geradezu fanatische Konservierungsexperten befinden, versuchen, das Problem auf ihre Weise durch "Konservierung" stillzulegen. Ist die Konvervenbüchse voll, muss alles, was noch nicht drin ist, draußen bleiben und verderben. Schließlich ist der Bedarf gedeckt, die Einlagerung weiterer Konserven verursacht nur Kosten, ohne einen Nutzen zu versprechen, also bleibt alles beim alten - und je unhaltbarer die Zustände sind, desto schneller gehen sie in Fäulnis und Verrottung über und können dann - mit allgemeinem Einverständnis - über die Bio-Mülltonne entsorgt werden.
Und, wo so mit Überschüssen umgegangen wird, werden irgendwann schon auch die Anlieferungen ausbleiben.
 
Von der Seite der Konservengegner, also der Frischgemüseverzehrer, Müsliselbstmahler und Birkenstocksandalenträger werden derartig konservativ ausgerichtete Patentrezepte natürlich abgelehnt. Sie möchten - und da gibt es inzwischen so viele Begriffe dafür, dass ich einen neuen wähle - alles, was da kommt, ungeachtet mögllicher Verdauungsprobleme, vollständig "assimilieren" und in körpereigene Bestandteile des Multi-Kulti-Bevölkerungskörpers umwandeln. Allein, es fehlen die Mittel. Selbst in einer Partei, die sich als "sozial und demokratisch" bezeichnet, ist es selbstverständlich, dass eher schnell einmal eine halbe Milliarde Euro an Überlebenshilfe für die selbsternannte Regierung der Ukraine locker gemacht wird, als den Bürgermeistern der Ortschaften mit Erst- unf Folgeaufnahmeeinrichtungen wenigstens eine halbe Million (1 Promille) in die Hand zu drücken, um wenigstens eine halbwegs menschenwürdige Unterbringung und Versorgung sicherstellen zu können.
 
Es gibt auch bei den Konservengegnern nicht nur Verständnis, sondern auch wortgewaltige Unterstützung, für die (mit kräftigen Zuschüssen der Bundesrepublik Deutschland erst möglich gemachte) Lieferung eines weiteren Unterseebootes an Israel.
Das ist ja kein Krisen- sondern ein Staatsräsons-Gebiet.
 
Es herrscht durchaus Verständnis für die Nachrüstungsforderungen, die sowohl von der NATO als auch von der EU erhoben werden, und wir schicken schon auch mal gerne Truppen zu gemeinsamen Manövern an die russische Westgrenze.
 
Es herrscht auch Einigkeit darüber, dass nichts wichtiger ist, als die Rettung des Euro, das kann noch so viele Milliarden kosten, wir profitieren schließlich am meisten davon.
 
Es herrscht, gerade in diesen Tagen wieder, große Einigkeit darüber, dass endlich die Schwarze Null her muss. Im Bundeshaushalt für 2015 wird sie gerade konserviert ...
 
Die CSU fordert im Zuge der Haushaltsdebatte nun doch tatsächlich, einen "Sonderfonds Flüchtlings- und Entwicklungshilfepolitik" aufzulegen, doch habe ich die begründete Vermutung, dass Herr Schäuble dafür kein Geld mehr locker machen kann. Schließlich warnte er ja eindringlich vor den Risiken, die auch so schon in seinem Haushaltsentwurf enthalten seien. Insofern halte ich diese Forderung für nichts als Theaterdonner, wahrscheinlich vorher, unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die nächsten Umfrageergebnisse, schon mal abgesprochen ...
 
Es gibt, im Rahmen des CSU-sieben-Punkte-Plans zur Flüchtlingspolitik allerdings auch sechs weitere Punkte, die weit weniger Geld kosten, zum Beispiel die Wiedereinführung von Grenzkontrollen, denn: "Lampedusa darf kein Vorort von Kiefersfelden werden" (CSU Generalsekretär Andreas Scheuer).
 
Passt, oder?
 
Wir sollten Abschied nehmen, von der Floskel "unhaltbare Zustände" und uns besser damit beschäftigen, "Aufgaben" zu formulieren. Und wenn das geschafft ist, dann sollte man die Aufgaben nach zwei Kriterien gewichten: Kriterium 1: Ist die Aufgabe wichtig,
Kriterium 2: Ist die Aufgabe dringend.
Und dann sollte man sie abarbeiten. Erst die wichtigen und dringenden, zuletzt die unwichtigen, die noch dazu nicht einmal dringend sind.
 
Und man sollte diese Liste alljährlich in verständlicher Sprache öffentlich machen.
 
Wenn dann eine Mehrheit bei den Wahlen dafür votiert, dass das Flüchtlingsproblem weder wichtig, noch dringend ist, dann handelt es sich nicht mehr länger um einen unhaltbaren Zustand, sondern um die nebensächlichste Nebensächlichkeit der Welt, weit hinter den Kosten für den Polizeieinsatz bei Fußballspielen und ganz weit hinter der Aufrüstung der Bundeswehr.
 
Sollte allerdings eine Mehrheit bei den Wahlen dafür votieren, das Flüchtlingsproblem endlich im Sinne des alten Grundgesetzes, und frei von der Drittstaatenklausel im Sinne der Menschlichkeit zu lösen, und dann nichts getan werden, dann könnte man von einem unhaltbaren Zustand sprechen, und zwar in Berlin, im Parlament und in der Regierung.
 
Die nächsten Wahlen böten Gelegenheit, dieses Parlament und diese Regierung in den Geschichtsbüchern zu konservieren - und ein neues Parlament und einen neue Regierung einzusetzen.
 
Sollte sich dabei herausstellen, dass sich wieder nichts ändert, dann darf erneut von unhaltbaren Zuständen gesprochen werden. Diesmal aber ist es unsere Demokratie selbst, die offenbar so nicht mehr zu halten ist, bzw. ihr Mindesthaltbarkeitsdatum so weit überschritten hat, dass sich in ihr Organismen breit gemacht haben, die diese Demokratie für normale Menschen ungenießbar, ja sogar gesundheitsgefährdend machen.
 
Ich fürchte, der Zustand ist bereits erreicht.
 
 
Zwei Bücher, die das Problembewusstsein vertiefen, die Ursachen erkennen helfen und überhaupt, wie die Apokryphen, "gut und nützlich sind, zu lesen":
 
 
Florian Stumfall
 
Das EU-Diktat
 
Vom Untergang der Freiheit
in Europa
 
 
 
 
 
 
Egon W. Kreutzer
 
Wo bleibt die Revolution
 
Die Sollbruchstelle der Macht
 
 
 
 
 

 
Freiheit ist nicht nur ein philosophischer Begriff.
Freiheit ist etwas sehr Praktisches.
 
Freiheit geht nämlich nicht verloren. Sie wandert von dem, der sie sich nehmen lässt, zu dem, der sie genommen hat und vergrößert damit dessen Macht.
 
Denkanstöße und Handlungsalternativen zur Wahrung der Freiheit finden Sie in den folgenden Büchern aus dem EWK-Verlag:
 
(Cover anklicken)
 
Freimut Kahrs
 
Lebenslüge Freiheit
 
 
Die ungeschriebenen
Regeln einer liberalen
Gesellschaft
 
 
 
 
Egon W. Kreutzer
 
Unsere Freiheit
 
... man kann sich dafür
einsetzen
 
 
 
 
 
 
 
 

Karl Waldecker

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Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

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Über egon-w-kreutzer.de

Seit über 10 Jahren bin ich mit einer eigenen Homepage online und kommentiere das aktuelle Zeitgeschehen, stets verbunden mit dem Versuch, dabei aus den frühesten Anzeichen "sonderbarer" Veränderungen meine Schlüsse für die zukünftige Entwicklung zu ziehen.

Leider habe ich dabei in vielen Fällen mit äußerst negativen Prognosen Recht behalten.

Vor den Folgen der Agenda 2010 und der Hartz-Gesetze habe ich schon gewarnt, bevor sie offiziell verkündet wurden.

Das Kommen der Finanzkrise habe ich lange vor dem Krachen von Lehman-Brothers angekündigt, nämlich schon als in Deutschland die kleine IKB in Schwierigkeiten geriet.

Und derzeit richte ich mein Augenmerk über das aktuelle Geplänkel um die Ukraine recht weit in die Zukunft und warne vor der großen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den USA und China, die gerade in Nigeria durch die USA wieder angeschoben wird.

Neben den ständigen Veröffentlichungen im Internet bin ich auch als Buchautor nicht mehr ganz unbekannt. Mit vier Bänden "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre" habe ich einen Grundstein für ein alternatives Wirtschafts- und Geldverständnis gelegt. Ganz neu (2013 und 2014 erschienen) habe ich mich mit "Das Euro-Schlachtfest" und "Wo bleibt die Revolution" zu Wort gemeldet.

Aus den Paukenschlägen der vergangenen Jahre sind zwei Sammelbände entstanden, in denen die wichtigsten und "schönsten" Aufsätze zusammengefasst sind.

Daneben habe ich weiteren Autorinnen und Autoren die Chance gegeben, ihre wichtigen Texte, die von den etablierten Verlagen nicht angenommen wurden, bei mir zu veröffenltichen. Dazu gehören insbesondere Samirah Kenawi (Falschgeld), Florian Stumfall (Das EU-Diktat), Freimut Kahrs (Lebenslüge Freiheit) und Karl Waldecker (GLOCALIS).

Seit kurzem habe ich mich entschlossen, auch einen regelmäßigen Informationsdienst "ewk - Zur Lage" herauszubringen, der über ein Förderabonnement, aber auch in Einzelausgaben kostenpflichtig bezogen werden kann.

Ich freue mich, wenn Ihnen meine Aufsätze und meine Bücher gefallen - und ganz besonders, wenn
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Ihr Egon W. Kreutzer

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viel Wissenswertes z.T. sogar aktuell
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